Was Sie über Engel wissen müssen
War es mein Schutzengel, der mir half?
Wie konnte Inge das nur passieren? Sie gestand es sich nur ungerne ein, aber sie hatte sich völlig verlaufen. Dabei hatte ihr Wolfgang noch angeboten, sie nach der Geburtstagsfeier mit dem Auto zur nächsten Bahnstation zu fahren. Aber Inge hatte dankend abgelehnt, denn nach dem vielen Essen und den Knabbereien auf der Party wollte sie sich noch ein wenig die Beine vertreten. Bewegung und die frische Luft würden ihr gut tun.
Der Weg war ja auch nicht sehr weit. Direkt von dem Wohnhaus des Kollegen musste sie nur einer Straße folgen und an einer bestimmten Stelle nach links in eine Seitenstraße abzweigen. In der Dunkelheit muss sie aber genau diese Straße verpasst haben. Inge war zwar abgebogen, aber diese Straße führte sie nicht zu der gewünschten Haltestelle.
Nun irrte sie schon mehrere Minuten durch die ihr unbekannte Gegend, in der Hoffnung, den richtigen Weg wieder zu finden. Sie blieb stehen. Da hörte sie hinter sich Schritte. "Vielleicht jemand, der seinen Hund noch spazieren führt", dachte Inge. Sie drehte sich um. Drei große, dunkle Gestalten näherten sich auf ihrer Straßenseite. Irgendwie war Inge diese Situation plötzlich unheimlich. Statt auf diese Personen zu warten, machte sie auf dem Absatz kehrt und ging schnell in die nächste Seitenstraße hinein. Inge wagte zunächst nicht, sich umzudrehen. Als sie es kurze Zeit später doch tat, sah sie, dass diese Leute ihr gefolgt waren und aufgeholt hatten. "Oh Gott, hilf mir", dachte Inge.
Sie hatte Angst. Da bemerkte sie, dass ihr ein Mann in der Straße entgegen kam. Inge hatte ihn vorher nicht bemerkt. Sie wusste nicht warum, aber die ruhige Art der Bewegung flößte ihr augenblicklich ein Gefühl der Sicherheit ein. Sie ging auf den Mann zu. "Können sie mir bitte helfen! Ich habe mich verlaufen, und befürchte, von drei Männern verfolgt zu werden", sagte Inge. Der Fremde schaute sie freundlich an, lächelte und sagte: "Ich helfe ihnen gerne. Kommen sie, ich zeige ihnen den richtigen Weg." Die tiefe, gleichmäßige Stimme vermittelte Inge ein Gefühl der Geborgenheit. Ohne Furcht folgte sie diesem Mann. Von ihren Verfolgern sah und hörte sie nichts mehr.
Nach kurzer Zeit näherten sie sich der Bahnstation. Inge drehte sich zu ihrem Beschützer herum. "Vielen, vielen Dank für ihre Hilfe. Ich weiß nicht, was ich ohne sie gemacht hätte. Wie kann ich ihnen nur danken?" "Sie brauchen mir nicht zu danken, Inge. Ich wünsche ihnen noch eine friedliche Nacht. Kommen zu gut nach Hause", sagte der Fremde nur, drehte sich um und verschwand. Erst als Inge im Zug saß und sich beruhigt hatte, fiel ihr auf, dass sie ihrem namenlosen Helfer weder ihren Namen genannt, noch gesagt hatte, dass sie zum Bahnhof wollte. "Nein, das kann ja nicht sein. Ich muss es ihm gesagt haben", dachte Inge. "Wahrscheinlich habe ich das in der Aufregung nur vergessen…oder doch nicht? Na ja, vielleicht war es ja mein Schutzengel…?"



